Der Start der Wagner-Festspiele in Bayreuth markiert jeden Sommer den Höhepunkt in Sachen gewagter Mode. Keine Schau in Mailand oder Paris zeigt solch beeindruckende neue Trends, wie der Rote Teppich auf dem Grünen Hügel. So zeigte auch der vergangene Montagabend, wie inspirierend Richard Wagners Wucht auf die Kleiderwahl sein kann.
Wayne Carpendale und Annemarie Warnkross
Shooting-Star ist gewiss Annemarie Warnkross: Ihr Modell "Verrutschter Hügel mit steiler Talfahrt" darf nicht nur als Hommage an die Lage des Festspielhauses gelten. Die Robenwahl weist auch hin auf die Höhen und Tiefen im Showgeschäft und in der Opernwelt. Manch Wagnerianer schimpft seit langem: Der Grüne Hügel sei auf dem Weg nach unten. Das weiß auch Warnkross.
Die Moderatorin sollte mit ihrer kleidgewordenen Einschätzung Recht behalten: Die Premiere des neuinszenierten "Tannhäuser" erntete offenbar reichlich Buhs. Vor allem das Bühnebild hatte es dem Publikum angetan. Es zeigte eine Biogasanlage, was manche offenbar gar zu würzigen Fäkal-Ausrufen hinriss.
Einen änlichen Ansatz verfolgte Veronica Ferres. Die Charakter-Darstellerin ("Das Geheimnis der Wale") reichte mit ihrem Tuch zwar nicht an die Finesse einer Warnkross heran. Und doch beeindruckt ihr Modell "Bondage" mit einem klaren Fingerzeig auf die Enge des Kulturbetriebs. Fallende Linien bei der Schnürung sagen auch: Es geht bergab. Gleichzeitig ist die Betonung einer einzelnen Brust auch als Huldigung an den Freiheitsdrang in der Kunst zu verstehen.
Veronica Ferres und Partner Carsten Maschmeyer
Bei derart aufgeladenen Auftritten wurde freilich der Kanzlerin ganz mulmig zu Mute. Bereits bei der Anreise ahnte sie: Da wäre mehr drin gewesen als das Geht-immer-Jäckchen aus Gästezimmer-Brokat. Doch ihr modisches Accessoire "Ohrenstöpsel" macht diese Zurückhaltung wieder wett. Kein Zaunpfahlwink - ein Paukenschlag!
Karin Stoiber präsentierte sich fein raus. Sie feierte kürzlich ihren 68. Geburtstag, sieht blendend aus und kann auf einen Mann bauen, der sich ihr aufopfert. Neben seinem neuen Hobby als Vorsitzender des Pro7Sat1-Beirats fand der Ausnahme-Staatsmann viel Zeit, sich dem Auftritt seiner Muschi in Bayreuth zu widmen. In mühevoller Kleinarbeit muss er Abend für Abend unzählige Joghurtbecherdeckel zerschnitten und schließlich mit der ausrangierten Badauslage kunstfertig vereint haben. Wie passend: Recycling ist auf der Höhe der Zeit, und die Festspiele wiederverwerten seit hundert Jahren die immer gleichen Kompositionen. Die Vollendung des Auftritts liefert dann aber Karin Stoiber selbst: Ihr Hautton von Bahama-beige ist als leiser Wink an der Familie Wagner zu werten, doch auch mal über eine Badsanierung nachzudenken.
Vollends enttäuschend dagegen geriet der Auftritt von Gloria von Thurn und Taxis.
Gloria von Thurn und Taxis und Isa von Hardenberg
Die Klasse und Masse ihrer Accesoires vom vergangenen Jahr konnte die Prinzessin aus Regensburg einfach nicht halten.




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