Lieber Gerárd,
was dürfen wir da von Dir hören! Kurz nach dem Start von Paris nach Dublin standest Du im Flugzeug auf und verkündetest: "Ich will pinkeln, ich will pinkeln!" Was für sich nach einem unerfüllten Wunsch, ja, einer Plage eines Materialverschleiß nach 62 Lebensjahren klingt, war aber tatsächlich die reine Ankündigung einer Großtat.
Gerárd Depardieu als Obelix (Bild: ddp images)
Hunderte, Tausende, Milionen Männer deines Alters singen täglich das Klagelied am Urinal, doch die Erleichterung bleibt versagt. Schön grüßen lässt die Prostata. Nicht so Du! Eine Stewardess forderte Dich in der Air-France-Maschine zwar auf, Du mögest Dich doch bitte noch eine Viertelstunde gedulden. Du freilich konntest und wolltest nicht warten, Dein jugendlicher Drang in Geist und Körper ließ Dich aufstehen. Du ließest es laufen.
Was laut Nachrichtenagentur AFP für Entsetzen bei den Mitpassagieren sorgte und für Dich ein kleiner Schritt war, ist ein großer Schritt für die vom Anschnallzeichen geknechteten Myriaden an Fluggästen. Denn nach der sofortigen Umkehr und Landung des Flugzeugs wurdest Du nicht etwa gewaltsam über die Gangway getragen, verhaftet und mit drei Monaten Zwangsaufenthalt in einem Pariser Banlieu bestraft. Nein. An Bord kam Reinungungspersonal, schrubbte und wischte, tupfte womöglich gar noch Deine Chinos ("Man kann ihn schütteln und stoßen ...") - und weiter ging die Reise.
Es ist schön zu hören, dass bei Dir, lieber Gerárd, alles im Fluss ist. Wir hatten schon Sorge, Deine legendären Auftritte sind Geschichte. Ist ja auch wirklich schwer zu übertrumpfen, etwa Deine Entzahnung eines Amateurfotografen mittels Kopfstoß vor ein paar Jahren ("Mein Kopf ist auf einen Schlag vorgestoßen, was zwei Zähne weniger machte und ich war, ich muss es sagen, ziemlich zufrieden."). Oder die Bekundung, der Konsum von acht Flaschen Wein sei einst für Dich ein Leichtes gewesen.
Jetzt bist Du also wieder da. Nur eines hoffen wir für Deine Zeugen an Bord inständig: Dass sie den Spruch von der Nase eines Mannes wieder aus ihren Köpfen bekommen mögen.
Wir zwicken zusammen - und grüßen mit einem plätschernden "Oh my god"!
Der Zweck heiligt die Mittel: Der Papst bekommt sein Ehren-Toilettenpapier

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